Blogchat über WOL

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Autoren: Nicole Y. Jodeleit mit Beate Wittkopp und Birgit Nüchter

Über unsere Gäste im Blogchat:
Beate Wittkopp ist Leiterin Steinbeis TransferWerk-BW, Stuttgart. Ihre Skills sind „Strategie und personifiziertes Netzwerken im Technologietransfer“ und sie besitzt „Motivation, Energie und Expertise zum Kulturwandel in der Transformation“.
Birgit Nüchter leitet das Steinbeis-Beratungszentrum Führungskompetenz (Stuttgart). Sie unterstützt Führungskräfte dabei, klarer und mit mehr Zufriedenheit ihre Teams zu führen. Sie ist zertifizierte Planspiel-Trainerin der Schirrmacher Group für das Planspiel „Führung“.

 

„Working out loud“ – ist das der „Schrei vor Glück“ während der Arbeit? Der Begriff, abgekürzt „WOL“ ist wohl nicht ganz wortwörtlich zu übersetzen. Doch gerade deshalb macht es neugierig zu erfahren, was dahinter steckt. Meine interessierten Fragen beantworten mir Beate und Birgit, die schon erste Erfahrungen mit WOL gemacht haben.

Wir finden das Thema WOL so inspirierend, dass wir uns darüber dialogisch unterhalten – im Blogchat.

Hallo Birgit und Beate, ich freue mich, dass wir einen Blogchat über einen Begriff starten, der zurzeit in der Berater- und Firmenwelt aufploppt. Immer häufiger lese ich etwas über #WOL. Ich habe gegoogelt und erzähle unseren Leser/innen vorab, was es NICHT ist, worüber wir jetzt sprechen möchten:

  • ein Emulgator (Polyglycerin-Polyricinoleat)
  • der IATA-Code von Wollongong (Australien)
  • Wake On LAN (aus der Welt der Netzwerke, Standard für eine Netzkarte)

Nun spiele ich die Frage zurück: Was ist “Working Out Loud”, abgekürzt #WOL, Birgit?

WOL gehört zu den Phänomenen bei denen man von fast jedem, den man fragt, eine andere Definition erhält: eine Methode, ein Framework, ein System, eine Haltung. Für mich ist WOL eine Mischung aus Methode und Haltung. Die Methode, die der Markeninhaber John Stepper zusammengestellt hat, gibt den Rahmen vor. Die Haltung, die ich annehme, wenn ich die Methode anwende, ermöglicht den Erfolg.

Es geht um Netzwerken und um das sehr bewusste Teilen von Wissen. Also nicht darum, möglichst “laut” sein Wissen anzupreisen, sondern öffentlicher zu werden und bereitwillig anderen Wissen weiterzugeben. Wissen kann außer den reinen Fakten dabei auch eine Kontaktperson, eine Idee, ein Hinweis oder Feedback sein.

WOL – ja spannend, ich denke wie Birgit, eine einzige Definition ist nicht ausreichend. Mit WOL startet man zunächst in einem strukturierten, 12-teiligen Format eine Interaktion zwischen 3 – 5 Personen dem sogenanntem Circle. Dann erlebt dieser vorgegebene Ablauf aber auch eine gewisse Eigendynamik und es zeigen sich sicher in den Runden ganz unterschiedliche Facetten.

Ich habe eher “by just doing it” erfahren, was WOL sein kann! Und fand eine strukturierte Anleitung in ein inspirierendes, teilweise auch sehr spontanes und vertrauensvolles ZUSAMMEN! Die ModeratorInnen-Rolle dabei scheint mir sehr wichtig als „Kümmerin“. Mit jeder Runde mehr gezielte Fragen und Aufgaben zum Kennenlernen der anderen WOLerinnen.

Diese Impulse können vor allem auch ein Weg sein, sich selber besser nochmal anders kennenzulernen. Ein weiterer Effekt ist nicht zu unterschätzen: indem ich mich durch Suche, Entdecken und Aufdecken eigener Ziele auch freiwillig einem gewissen Gruppendruck ausliefere 🙂

Diese Öffnung macht mit jedem/jeder etwas! Also ungemein hilfreich, auch etwas ungeliebte Anforderungen endlich einmal anzugehen.

Puh, Ihr sprüht ja vor Energie und Begeisterung – toll. Lasst uns das bitte jetzt noch ein bisschen sortieren.

Meine Frage an euch:
Für wen (Zielgruppe) ist WOL geeignet; also wer sollte sich angesprochen fühlen, sich damit zu beschäftigen?

Ich bin der Meinung, WOL passt für jede Zielgruppe. Im Moment ist der große Hype bei größeren Unternehmen zu finden. Es ist schwer zu erklären, warum WOL gerade bei Firmen wie Bosch, Daimler oder Continental so rasant Zulauf fand. Vielleicht liegt die Erklärung in einem Zitat, das ich neulich in der WOL-Facebook-Gruppe fand:

“Working Out Loud hat mir gezeigt, dass ich die Dinge im Unternehmen selbst in die Hand nehmen und steuern kann, unabhängig von meiner Position …”

Ich habe als selbständige Unternehmerin WOL ebenfalls als sehr bereichernd empfunden – gerade weil ich oft alleine arbeite, ist diese Art des Netzwerkens zu dem es auch gehört, um Unterstützung zu bitten sehr wertvoll. WOL ist daher für jeden etwas. Einzige Voraussetzung ist, dass es ein persönliches Ziel gibt, hinter dem man wirklich steht.

Ein persönliches Ziel … das heißt für mich, es wäre etwas für Brainworker oder Menschen, die reflektieren. Oder kann auch jemand, der mehr mit den Händen arbeitet (aka “Handwerker”) mitmachen? Ich kann mir schon vorstellen, dass es etwas für mich sein könnte (als Freiberuflerin, die sowohl strategisch, operativ arbeitet und dabei noch Support und Kundenbetreuung macht und sich ja auch selber darstellt, Dienstleistung anbietet, also gewisse Ziele definiert hat).

Doch so ganz sicher bin ich mir bei der Zielgruppen-Definition noch nicht. Vielleicht können wir das a) noch mehr eingrenzen.

Und b): Für wen ist WOL denn gar nicht geeignet – außer jemand hat gar keine Ziele, Birgit?

Du hast schon recht, Nicole, bei den wöchentlichen WOL Übungen wird man zum Nachdenken aufgefordert und angeregt. Das ist aber kein wissenschaftliches Arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch ein Handwerker von WOL profitieren kann. Schließlich gibt es auch in diesen Branchen Herausforderungen, die mit einem gut funktionierenden Netzwerk leichter zu bewältigen sind.

Das Schöne ist ja, jede und jeder arbeitet an einem individuellen Ziel. Und da ist alles erlaubt: Ich möchte lernen, mich gesund zu ernähren trotz Laktoseintoleranz; ich möchte meine Webseite neu gestalten; ich möchte in meinem Unternehmen ein neues System für x einführen; Ich möchte mehr Kunden für meinen Handwerksbetrieb finden und so weiter. [Ich habe übrigens in einer der WOL-Gruppen in den sozialen Netzwerken nachgefragt, und es gibt tatsächlich ein Beispiel einer Firma in der WOL über alle Hierarchiestufen hinweg praktiziert wird – vom Geschäftsführer bis zum Monteur.]

Für wen ist WOL gar nicht geeignet? Hmmm … Jemand, der Wissen nur abgreifen will und nichts zurück gibt, ist fehl am Platz in einem WOL Circle. Ich vertraue da auch auf die Selbstregulierung, denn die anderen im Circle merken das ja auch, wenn jemand ganz zugeknöpft bleibt, selber aber nur Fragen an die anderen hat. Ebenso passt es nicht, wenn es jemand nicht schafft, sich regelmäßig die Stunde für die WOL-Treffen freizuschaufeln. Einmal Fehlen ist nicht schlimm, wer mehrmals hintereinander nicht am Treffen teilnimmt, verliert den Anschluss und vermutlich auch den Spaß an der Sache. Die Teilnehmer gehen schon eine Art Selbstverpflichtung ein und dazu muss man bereit sein.

Ja, unbedingt braucht es Give & Take! Zielgruppe sind aus meiner Sicht dann zunächst mal alle, die Lust haben auf Netzwerkarbeit, gemeinsame Veränderungen, auf Interaktion und auf neue Kommunikationsformen!

Also mir fällt partout kein Ausschlusskriterium ein, ich denke, es werden sich eher je nach Zielgruppe die diskutierten Themen und vor allem die Ziele unterscheiden. Diese Phase finde ich zur Zeit auch besonders spannend, es gibt ja immer mehr Erfahrungen mit dem #WOL, das muss man sich dann auch mal in der Breite anschauen.

Ich kann appellieren, selber diese Erfahrungen zu machen und sich nicht nur über die Berichte anderer ein Bild von WOL zu machen. Da wird es sicher auch ganz unterschiedliche Erlebnisse und Erwartungen geben; die ersten sprechen von Persönlichkeitsveränderung, andere freuen sich bereits, ihr Arbeitsumfeld besser aufgestellt zu haben.

Je mehr Informationen ich bekomme, desto neugieriger werde ich und noch mehr Fragen habe ich. Das ist ein positives Zeichen bei mir.

Beate sagte, dass “by just doing it” auch eine Herangehensweise sei. Ein bisschen vorab informieren, wichtige Fragen klären und dann einfach “Machen” – das mag ich auch.

Doch wo genau findet man #WOL, gibt es da eine Übersicht, damit ich mir etwas in meiner Nähe anschauen kann?

Du kannst mehrere Dinge tun, um dich vorab zu informieren. Es gibt eine sehr ausführliche Webseite mit Informationen, Blogbeiträgen und auch den Circle Guides für die 12 Wochen (die Guides sind in mehr Sprachen verfügbar, als ich hier aufzählen kann, auf jeden Fall auch auf Deutsch).

Dann gibt es das Buch von John Stepper, das passenderweise auch Working Out Loud heisst. Als Schwäbin muss ich sagen, das was im Buch steht, findet man fast alles auch auf der Webseite. Es ist also eine Frage der persönlichen Präferenz, ob man ein Buch dazu haben will.

Da kann ich Dir nur zustimmen, Birgit, die Website ist wirklich genial. Es gibt für jede Woche sozusagen eine Agenda, mit Erläuterungen. Mein Rat wäre, auch wenn ich mich nicht immer daran gehalten habe, diese Guides jeweils auch zur Vorbereitung zu nutzen – im WOL-Meeting können dann alle gezielter und tiefer einsteigen!

Außerdem führen die Aufgaben immer eine Reflexion, der so genug Raum geboten werden kann. Die Beiträge sind aber auch zur Nachbereitung sehr hilfreich, gerade auch mit den Clips und Blogs wirklich bereichernd.

Und an dieser Stelle muss ich einfach auch den Hut ziehen vor John Stepper, der hier mit unglaublicher Energie sehr motivierend und auch unterstützend tatsächlich JEDE E-Mail beantwortet. Sein Buch gleichzeitig auch auf der Website so zu eröffnen, unterstreicht seine Zielsetzung der offenen Kommunikationsplattform aus meiner Sicht sehr eindrücklich!

Ja, Beate – das kann ich bestätigen. John Stepper, aber auch die gesamte WOL-Gemeinschaft sind sehr darauf bedacht, dass Fragen beantwortet werden und gehen sehr wertschätzend miteinander um.

Zur Vorabinformation: da haben wir YouTube ganz vergessen. Dort findet man viele Videos, die WOL erklären oder über WOL berichten. Auch welche von John Stepper und Katharina Krentz, die WOL bei Bosch zum Dauerbrenner gemacht hat.

Danke, Birgit, dann werde ich mich erstmal auf der Website über WOL weiter informieren. Damit ich ein wenig mehr hinter die “Magie” komme, die es auf Euch ausgestrahlt hat. Ich habe auf der Website auch schon die frei verfügbaren PDF-Dokumente zum Download gesehen. Sehr spannend, finde ich.

Ich freue mich darauf, dass wir weitere Blogchats über WOL führen werden. Ich habe noch so viele Fragen und bin gespannt auf alles, was ich noch erfahren werde. Neugierde und Interesse, so habe ich schon gelernt, sind für WOL sehr nützlich. Bis ganz bald, liebe Beate und Birgit, zum nächsten Blogchat – Blogging out loud, sozusagen.

Zum Abschluss unseres ersten Blogchats stelle ich alle Links, die ich gefunden habe, hier geordnet zur Verfügung:

Working Out Loud® und WOL® sind eingetragene Marken von Ikigai, LLC in den USA, EU, Schweiz und Australien. Es ist unter anderem erlaubt über diese Marke zu bloggen. Siehe auch die Nutzungsbedingungen.

Beate Wittkopp und Birgit Nüchter auf der Netzwerkveranstaltung „Medien in der Digitalisierung – den Wandel gestalten!“

Beate Wittkopp und Birgit Nüchter auf der Netzwerkveranstaltung „Medien in der Digitalisierung – den Wandel gestalten!“
Mehr Info dazu in einem Blogchat von Bernhard und Nicole.

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